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Schwacke Newcomer März 2021 – Neue Modelle im Forecast

Andreas Geilenbrügge | 29 Mrz 2021

Über den Autor

Andreas Geilenbrügge

Head of Valuations & Insights

Seit November 2013 ist Andreas Geilenbrügge bei Schwacke. Zunächst als Key Account Manager für Hersteller und Importeure, seit 2016 verantwortlich für Insights und ab Mitte 2018 gesamtverantwortlich für den Bereich Restwerte & Insights. Vor Schwacke liegen 9 Jahre Erfahrung im Flottenvertrieb von Importeuren und ein abgeschlossenes Betriebswirtschaftsstudium.

Newcomer 03-21 Suzuki Across

Hybridisierung des Abendlandes – Wer wenig Wahl hat, hat die Qual

Im März haben wir wieder Restwertprognosen für interessante Fahrzeugneuerscheinungen in unsere Datenbank aufgenommen:

  • DS Automobiles DS9
  • Lynk & Co 01
  • Mercedes-Benz EQA
  • Suzuki Swace und Across
  • Toyota Highlander

DS Automobiles DS9 – Noblesse oblige

War DS historisch gesehen nur die Bezeichnung für die legendäre Modellreihe aus dem Hause Citroën, haben die Edel-Franzosen aus dem mittlerweile zu Stellantis mutierten Multi-Markenkonzern Ambitionen zu einer wachsenden eigenen Modellpalette. Längst ist aus der – neudeutsch – Subbrand eine eigenständige Marke erwachsen, die das Premiumsegment für den Konzern bedienen soll. Nach den anfänglich noch unter dem Doppelwinkel laufenden und längst eingestellten Nummern 3, 4 und 5 folgten zunächst zwei zeitgemäße SUVs, DS7 und DS3 mit der Namensergänzung Crossback. Nun kommt also die Nummer 9, eine Limousine im Dunstkreis der oberen Mittelklasse, die wieder Anleihen an die eigene Vergangenheit nimmt. Und damit ist nicht nur das Concept Car Numéro 9 aus dem Jahr 2012 gemeint. Insbesondere die rückwärtsgerichteten Reflektoren am oberen Ende der C-Säule, die Heckleuchten und die sich drehenden LED-Würfel im Hauptscheinwerfer erinnern an die innovative Lichttechnik der Ikonen DS und SM. Ansonsten ist der fast 5 Meter lange Gleiter innen wie außen sehr modern gestaltet und ansprechend verarbeitet. Preislich positioniert sich der fast-größte Stellantis-PKW zwischen der oberen und mittleren Mittelklasse des Premiumsegments. „Fast“ größte deshalb, weil tatsächlich der Opel Insiginia Sports Tourer noch 3cm länger ist, auf 6 cm kürzerem Radstand wohlgemerkt. Entsprechend viel Platz findet sich im Inneren neben den schon aus dem DS7 Crossback bekannten Designelementen. Viel futuristisches Rautenmuster, Leder und ungewöhnliche Optik ragen aus der Menge heraus und suchen nach Fans jenseits des Mainstreams. Mainstream wäre konzeptionell ohnehin nicht sein Ding, liegt der Stufenheckanteil in der mittleren und oberen Mittelklasse hierzulande gerade mal bei einem Viertel bzw. einem Drittel. Außerdem startet der Edel-Franzose nur mit einem Benziner und Plug-In Hybrid, was zusätzlich etwa 50% der verbleibenden Zielgruppe eliminiert. Die beiden Crossbacks schaffen es im Jahr auf kleine vierstellige Neuzulassungszahlen, das wird der Nummer 9 vermutlich nicht vergönnt sein. Für die Verkäufer gebrauchter DS9 sind das eher gute Nachrichten, da die geringen Stückzahlen sich positiv auf den Wiederverkaufspreis auswirken werden. Das größere Augenmerk liegt dann für die Marke in diesem Jahr vermutlich eher auf der schon angekündigten Neuauflage des DS4. Wie der Neuner ein echter Hingucker im Kompaktsegment und – vielleicht ein Pluspunkt hierzulande – in Rüsselsheim gebaut.

DS Automobiles DS9 mit Villa im Hintergrund

Lynk & Co 01 – The missing Lynk

Der Markenname und die Modellbezeichnung weisen auf ein innovatives Konzept hin. Und so ganz abwegig ist dies auch nicht. Lynk & Co ist die Marke aus dem chinesischen Geely-Konzern, die sich nach eigenem Bekunden maximale Digitalisierung und ein ungewöhnliches Geschäftsmodell auf die Fahne schreibt. Mit dem Modell 01, das in China bereits seit 2017 auf dem Markt ist, soll nun der verspätete Startpunkt in Europa gesetzt werden. Zunächst schien es, der Kompakt-SUV werde nur in einem flexiblen Abo-Modell angeboten, dessen Rate sich für den Kunden durch die Bereitschaft, „sein“ Auto mit anderen in einer Art Carsharing zu teilen, reduzieren ließe. Aktuell ist allerdings auch ein Listenpreis zu Barkauf oder Finanzierung publiziert. Ausschließlich Abo war den europäischen Verantwortlichen dann vermutlich doch zu heikel und einschränkend. Ebenfalls ungewöhnlich ist, dass der 01 nur als Vollhybrid oder Plug-In angeboten wird, in einer von zwei Metallic-Farben – blau oder schwarz – und quasi vollausgestattet daherkommt. Lediglich eine Anhängerkupplung kann ab April gegen Aufpreis montiert werden. Die zukünftigen Lynk & Co Fahrer werden dabei aus Herstellersicht „Mitglieder“ und die wenigen Showrooms nennt man „Club“. Dieses Konzept macht es allen Beteiligten in mehrerlei Hinsicht leicht. Zum einen muss der Neuwagenkunde nicht lange konfigurieren, kein Autohaus besuchen und kann mit wenigen Klicks bequem am heimischen Rechner abschließen. Zum anderen vereinfacht die üppige Ausstattung dem Gebrauchtkunden und –verkäufer das Geschäft. Man weiß, was man hat und was man kriegt. Zudem erleichtert die europaweit einheitliche Konfiguration das Cross-Border-Geschäft und die effiziente Verteilung von Gebrauchtfahrzeugen in aufnahmefähige und profitable Märkte. Gute Aussichten also aus Restwertsicht und die solide Volvo-Großserientechnik wird ihr Übriges tun.

Lynk & Co 01 Fahrzeug

Mercedes-Benz EQA – Es summt im Ländle

Mercedes legt nach und bringt unter der Submarke EQ sein nächstes Modell auf Basis des GLA heraus. Damit kommt man dem Marktbegleiter aus Ingolstadt in diesem Segment zeitlich zuvor und hinterlässt in München gar eine Lücke. Konzeptionell gehen die Stuttgarter dabei wie schon mit dem EQC und EQV etwas konservativer vor und versuchen anscheinend auch elektro-skeptischen Kunden optisch nicht zuviel zumuten zu wollen. Innen wie außen ist der bisher kleinste E-Mercedes sehr modern aber wiedererkennbar. Selbst die Preisliste lässt kaum erkennen, dass hier ein besonderer Antrieb unterwegs ist, sieht man vom Ladezubehör einmal ab. Und auch die technischen Daten hätten beim schnellen überfliegen von einem Verbrenner stammen können, wenn da nicht Höchstgeschwindigkeit und Beschleunigungswerte wären. Die einzig angebotene 66,5 kWh Batterie sorgt zwar für angemessene 486km NEFZ-Reichweite, aber 190PS, maximal 160km/h und 8,9 Sekunden bis auf Hundert hinterlassen ein weniger freudiges Gefühl bei sportlichen Fahrern. Die Kfz-Steuerersparnis von bis zu 260 Euro im Jahr dürfte für Wechselwillige ebenfalls kein schlagendes Argument sein angesichts über 47.000€ Grundpreis. Hilfreich ist da aber bestimmt die sicher nicht zufällige Positionierung dieses Bruttopreises. Zieht man die Mehrwertsteuer ab, rutscht der EQA netto knapp unter die magische BAFA Fördergrenze von 40.000 € für erhöhten Prämienbezug. Brutto volle 6.000€ werden damit fällig seitens Vater Staat und bringen den Stromer damit preislich unter den gleichstarken GLA Diesel und in die Nähe der vergleichbaren Benziner. Mercedes zielt nicht zuletzt dadurch offenbar auf Vernunftkäufer, die wechseln wollen. Eher konservative Umsteiger, die auf wenig verzichten möchten, aber auch kein großes Aufsehen um ihren ökologischen Ansatz machen. Irgendwie passt das auch wieder perfekt zum Bundesland, in dem der EQA vom Band läuft.

Mercedes Benz EQA auf einer Straße

Suzuki Swace und Across – Sagt mal, wo kommt Ihr denn her?

Die beiden Neuen in Bensheim sind ein gutes Beispiel für die etwas unstete Produktpolitik der vergangenen Jahre. Der Hauptgrund für ihr Erscheinen ist in erster Linie das in der Branche umgehende Schreckgespenst der CO2-Strafsteuer. Bisher war es in der Modellpalette der Japaner schlecht bestellt um Elektro- oder Hybridfahrzeuge, die den Flotten-CO2-Ausstoß verbessern. Diesen Mangel sollen die beiden nun beheben und wurden von den Händlern sicher sehnlichst erwartet. Der Across steht als Kompakt-SUV ausschließlich mit Plug-In Hybrid und der Swace ganz ohne Stecker aber dafür mit dem Vollhybrid von Toyota im Handel. Und damit wären wir auch gleich bei der Antwort auf die Frage, wie die Neulinge jetzt so schnell aus dem Hut gezaubert wurden. Swace und Across sind erkennbar und ganz unverhohlen Lizenzbauten von Corolla und RAV4. Ein Gegengeschäft macht‘s möglich, dass Suzuki kurzfristig und ohne Entwicklungsaufwand erprobte Motoren und für ihre Qualität bekannte Modelle ins Portfolio aufnimmt. Ähnlich wie beim Lynk & Co 01 ist die Wahlmöglichkeit der Kunden gering. Die Farbe aussuchen und das war’s. Unterschiedliche Ausstattungslinien spart man sich, um der Verfügbarkeit willen. Beim Preis leistet man sich aber insbesondere im Vergleich zum RAV4 zwei Patzer. Zum einen liegt der Across etwa auf dem Niveau der höchsten Ausstattungslinie seines Genspenders, lässt aber wertvolle Bestandteile wie z.B. das Navigationssystem vermissen. Zum anderen hat Toyota es durch geschickte Nomenklatur und Paketierung der Ausstattungen geschafft, alle Varianten beim BAFA in die höher bezuschusste Plug-In Kategorie unter 40.000€ Netto-Listenpreis zu bringen. Das ist dem Suzuki durch die einzige, höherpreisige Version nicht vergönnt. Das Problem hat der Swace wiederum nicht, ist er doch genau wie sein Fließband-Bruder Corolla Touring Sports als Vollhybrid ohnehin nicht förderfähig. Aber auch hier hat der Nachkömmling gegenüber dem Erstgeborenen einen leichten Preisnachteil im direkten Vergleich. Dennoch sind die Suzukis gut ausgestattete und fair eingepreiste, technisch ausgereifte, moderne Angebote, die der händlertreuen Kundschaft den Weg ins neue, elektrifizierte Zeitalter ebnen können.

Suzuki Swace

Toyota Highlander – Es kann nur einen – Antrieb – geben

Gegenüber den koreanischen Wettbewerbern fehlte bisher in der Toyota-Palette ein adäquates Gegenstück zum neuen Sorento und Santa Fe. Und bevor man nun in der ureigensten Königsdisziplin – dem Vollhybrid – das Feld Kia und Hyundai kampflos überlässt, griff man rasch ins Konzernregal. Der Highlander ist schon seit vielen Jahren im Heimatland, den USA und Australien erhältlich und wird in der jetzigen Generation seit 2019 dort verkauft. Nun also auch in Europa. Dem aktuellen Trend der Branche folgend gibt die Aufpreisliste für die einzig verfügbare Motorversion nicht viel her. Allradantrieb ist Serie, allerdings kein „echter“, sondern die an beiden Achsen befindlichen E-Motoren verleihen das Kürzel AWD-i. Drei Ausstattungslinien sollen alle Kundenwünsche abdecken und lediglich die Anhängekupplung und Panoramadach sind optional. Die Einstiegsversion „Business Edition“ verfügt dabei zwar über das meiste, das man braucht. Das Preisniveau ist allerdings im Vergleich zum Wettbewerb eher auf dem Level höherer Ausstattungslinien und lässt entsprechend das eine oder andere im Vergleich vermissen. Ab Executive macht‘s dann mehr Spaß und Luxury ist eine Art All-in. Der XL-SUV aus Princeton/Indiana punktet also mit amerikanischer Größe, guter Ausstattung und einer im Hybrid-Vergleich respektablen Anhängelast von 2 Tonnen. Er ist allerdings auch kein Schnäppchen. Gebrauchte Toyotas haben momentan in der Tat einen Lauf. Mal schauen, ob der ambitionierte Neupreis sich entsprechend in der Zahlungsbereitschaft potenzieller Zweitbesitzer wiederspiegelt.

Newcomer Grafik März 2021

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