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Schwacke Newcomer Oktober 2020 – Neue Modelle im Forecast

Andreas Geilenbrügge | 26 Okt 2020

Über den Autor

Andreas Geilenbrügge

Head of Valuations & Insights

Seit November 2013 ist Andreas Geilenbrügge bei Schwacke. Zunächst als Key Account Manager für Hersteller und Importeure, seit 2016 verantwortlich für Insights und ab Mitte 2018 gesamtverantwortlich für den Bereich Restwerte & Insights. Vor Schwacke liegen 9 Jahre Erfahrung im Flottenvertrieb von Importeuren und ein abgeschlossenes Betriebswirtschaftsstudium.

Es crossovert sehr – Individualisten unter sich

Im Oktober haben wir wieder Restwertprognosen für interessante Fahrzeugneuerscheinungen in unsere Datenbank aufgenommen:

  • Aiways U5
  • Cupra Formentor
  • Ford Mustang Mach-E
  • Kia Sorento

Aiways U5 – China-Express

Der chinesische Newcomer Aiways lief lange quasi unter dem Radar und abseits der Wahrnehmung von Marktreife. Seit dem Sommer ist aber deutlich mehr Bewegung in die Präsenz am deutschen Markt gekommen und nun ist es tatsächlich und überraschend schnell soweit. Corona-bedingt ist der Launch zwar ins Stocken geraten, aber der Aiways Vertriebspartner aus Berlin zum Beispiel vermeldet auf seiner Homepage nun die Erwartung von ersten Vorführfahrzeugen Ende Oktober. Die zeitliche Komponente ist sicherlich Fluch und Segen zugleich. Einerseits ist eine Pandemie mit den entsprechenden Einschränkungen und Belastungen ohne Zweifel kein ideales Einstiegsszenario, andererseits befördert in Deutschland die kriseninitiierte Erhöhung der Innovationsprämie derzeit den Absatz neuer Elektro- und Plug-In Hybrid-Fahrzeuge in unerwartete Sphären. Technisch und inhaltlich ist der U5 angesichts des Preises durchaus ein faires Angebot. Zwar sind die Ladezeiten vergleichsweise hoch, der Kofferraum relativ klein und liegt die Verarbeitungsqualität eher im Mittelfeld. Man bekommt aber für das Geld ein verhältnismäßig großes Fahrzeug mit entsprechend Platz und einer sehr modernen und umfangreichen Inneneinrichtung. Größte Schwachstelle zum Start dürften daher das fehlende Markenimage und das Vertriebs- und Servicenetz sein. Aiways wird sich als chinesischer Hersteller und beim U5 mit einer Euro-NCAP Bewertung von nur 3 Sternen schwer tun in einem so markenverliebten Marktumfeld wie Deutschland. Der Vertrieb läuft über die Euronics-Elektronikkette, die mehr im ländlichen Raum zu finden ist und wie Servicepartner A.T.U. eher für Masse als Klasse und günstige Preise steht. 5 Jahre Fahrzeuggarantie und die mittlerweile üblichen 8 Jahre auf die Batterie sprechen dagegen für eine selbstbewusste Qualitätserwartung. Kleinere Stolpersteine wie die wenig intuitive Webadresse (ai-ways.eu) oder das schwierige Auffinden auf der Euronics-Homepage werden sich da vermutlich im Laufe der Zeit ausschleifen. Da die bei einem etablierten Hersteller unterstützende werbliche Eigeninitiative des Markenhandelsnetzes aber fehlt, bräuchte es zu einem wirklich nachhaltigen Erfolg nun eine sehr breit angelegte und „wirkmächtige“ Marken-Kampagne. Sonst bliebe zu befürchten, dass der U5 und seine geplanten Brüder U6 und U7 eher Nischenmodelle bleiben und – gebraucht wie neu – selten auf der Shopping List auftauchen. 

Ford Mustang Mach-E-Muskeln aus Strom

Die Überraschung über die Namensgebung „Mustang“ für ein vollelektrisch angetriebenes und in Mexiko produziertes SUV ist sicher nicht ganz unberechtigt und als Werbeaufhänger sicher polarisierend einkalkuliert. Ford nimmt sowohl optisch Anleihen an dem für kernige V8 bekannten „Pony Car“ als auch an der ikonischen Bedeutung des ersten neuentwickelten Elektrofahrzeugs nach Einstellen des Focus Electric in 2018. Denkt man sich den historischen Bezug für einen Moment weg, liefert Ford für einen akzeptablen Preis ein sehr solides, gut ausgestattetes und technisch überzeugendes E-Fahrzeug. Im Innenraum wird schnell deutlich, wen Ford als Konzern in erster Linie im Visier hat. Das zurückhaltende und geradlinige Design, das vegane Lederimitat „Sensico“ oder das aufrecht stehende große Display in der Mittelkonsole erinnern zwangsläufig an den amerikanischen Konkurrenten, das Model Y. Qualitativ ist der Mach-E überlegen, antriebsseitig liegt Musks Kreation vorn. 600km WLTP-Reichweite für die heckgetriebene 99kWh Version können sich allerdings auch im Vergleich zu Tesla mehr als sehen lassen. In der deutschen automobilen Realität wird der Ford aber vermutlich von potenziellen Kunden eher mit einem VW ID.4 oder dem Skoda Enyaq verglichen werden und die Tesla-Kunden bleiben unter sich. Gimmicks wie die an den kultigen Verbrenner-Verwandten angelehnten Front- und Heckscheinwerfer, die allgegenwärtigen Pony-Logos oder das V8-Soundmodul geben dem Ford dabei einen ganz eigenständigen Charakter. Die umfangreiche Serienausstattung und wenige Optionspakete werden insbesondere für Gebrauchtwagenkäufer interessant sein, ist es doch dadurch eigentlich unmöglich ein wirklich minderausgestattetes Exemplar zu erwischen. Wenn Ford nun seine angekündigte Strategie durchsetzt und keine Überkapazitäten produziert, kann der Mustang Mach-E ein wertstabiler Neueinstieg in Fords Zeitalter der rein elektrischen Mobilität werden. Und wenn dann 2021 die mit weit über 400 PS motorisierte GT Variante erscheint, bekommt auch der Name wieder mehr Gewicht.

Kia Sorento – Auf die Größe kommt es an

Das Segment der mittelgroßen SUV war lange Zeit eine Domäne der Premiummarken, die über Jahre mehr als 70% des Marktes für sich in Anspruch nahmen. Spätestens seit die Volumenmarken der VW Gruppe auf den Geschmack gekommen sind und mit Kodiaq, Tarraco und Tiguan Allspace einstiegen, bröckelt der Premiumanteil und das Segment hat sich mengenmäßig seit 2014 mehr als verdoppelt. Kias Sorento konnte bislang nicht so sehr von diesem Wachstum profitieren und spielt auch innerhalb der Marke eine eher untergeordnete Rolle. Die vierte Generation schickt sich nun an, ein größeres Stück vom Kuchen zu ergattern. Und „Groß“ ist auch das richtige Stichwort, wächst er doch im Radstand um mehr als drei Zentimeter und verschafft so besonders der hinteren Sitzreihe eine sehr üppige Beinfreiheit. Insgesamt wirkt der Neue auch optisch voluminöser und zeigt ein sehr eigenständiges, an amerikanische Formensprache erinnerndes Äußeres. Im Innenraum findet sich sauber verarbeitetes und ansprechendes Design mit minimalen Materialschwächen, die sich die Premiumwettbewerber in diesem Segment (noch) nicht leisten. Für den Erfolg in den nächsten Jahren sind gemeinhin alternative Antriebe ein wichtiger Aspekt. Zwar führt Kia aktuell einen Sorento mit der Bezeichnung „Hybrid“, dabei handelt es sich aber zunächst um einen nicht förderfähigen Vollhybrid. Ein für Prämien verfügbarer Plug-In-Hybrid steht noch für nächstes Jahr auf der Agenda. Der sportliche Listenpreis ist allerdings bei beiden aktuellen Antrieben trotz umfangreicher Serienausstattung ein Manko. Im Vergleich zur Konkurrenz wird ein stärkerer Nachlass notwendig sein, um wettbewerbsfähige Angebote stellen zu können, was sich nachteilig auf Leasingraten und prozentualen Restwert auswirkt. Für Gebrauchtwagenkäufer bleibt der Sorento aber dennoch ein attraktives Gesamtpaket und genießt als klassischer Dreijähriger noch länger die Werksgarantie als die meisten Konkurrenten insgesamt.

Cupra Formentor – Premieren-Feuer

Der Cupra Formentor ist für die mittlerweile eigenständige Seat-Ablegermarke in mehrfacher Hinsicht eine Premiere. Zum einen ist er das erste Modell, das ausschließlich als Cupra und nicht als Seat angeboten wird und zum anderen wird es ihn später auch als schwächer motorisierten Diesel geben. Ein ungewöhnlicher Move für einen Hersteller, dessen Name aus den ersten Buchstaben von „Cup Racing“ verschmolzen ist. Aber das Ziel ist klar, die Stückzahlen auf produktionsfähiges Volumen zu bringen, da „Brot&Butter“-Varianten mit Seat-Logo fehlen. Das Exterior ist dabei neben dem Antrieb das Highlight des Crossovers. Coupéartige Linienführung und die sportliche Front mit hochgewanderten separaten Nebelleuchten verleihen dem Spanier viel Dynamik. Der Innenraum überrascht nicht, wenn man sich im Vergleich den neuen Leon heranzieht, ist aber entsprechend der Attitüde sportlich akzentuiert. Preislich wird der Formentor zudem recht interessant, liegt er doch mit dem Cupra Ateca ziemlich gleichauf, bietet aber bei vergleichbarem Motor das dynamischere, modernere und individuellere Fahrzeug. Auch im Vergleich zu den ähnlich motorisierten Premiumvertretern stellt der Formentor eine attraktive Alternative dar. Damit sollte auch einer robusten Gebrauchtwagenvermarktung nach drei Jahren wenig entgegenstehen. Wenn Fahrzeuge mit solch üppiger Leistung nicht in Zukunft steuerlich erheblich benachteiligt werden sollten. Die neue Kfz-Steuer ab Januar 2021 sorgt da beim 310PS Formentor aber gerade mal für verschmerzbare 64€ jährliche Mehrkosten im Vergleich zur aktuellen Besteuerung.

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